| Afrika, ein Stück Gambia und ich... |
| ...meine
Füße, sie sind ständig braun gefärbt vom Schutz. Zwei weiße Streifen
zeichnen die Flip-Flops ab, die ich stets trage. Nach acht Wochen
"Busch-Aufenthalt" bin ich wieder für einige Tage in Banjul
angekommen, im Herzen Gambias. Da draußen auf den Strassen geht es
laut und hektisch zur Sache. Dabei spielt es keine Rolle was mehr
scheint, Straßenlaternen oder Sonne. Mit lauten Gesten haben sich
die Menschen hier ständig alles zu erzählen. Das alles ist in der
Regel viel. Lachen, schreien, tanzen, beißen, singen, bellen,
jauchzen, kratzen, trommeln, man muss nicht lange danach suchen. Die
aufbrausende, aber auch herzliche Art Afrikas hat mir anfangs Angst
eingeflösst. In den ersten Tagen meiner Ankunft, habe ich zum ersten
Mal mit dem Gefühl Bekanntschaft gemacht, anders zu sein als der
große Rest. Ganz einfach, ich bin weiß und sie sind schwarz. Ich versuche Schritt zu halten mit Sr. Marie, die den Auftrag hat Gemüse am Markt zu kaufen. Es brasseln viele bunte Eindrücke, eine tosende Lärmkulisse und beißender Fischgeruch auf mich ein. Wenn sich mein Blick gerade nicht auf Sr. Maries Rücken versteift, sehe ich viel schwarze Gesichter um mich herum. Manche sehen mich an, es fällt mir schwer Unterschiede auszumachen. Wahrnehmen kann ich in diesem Moment nur eine lärmende, bunte Masse. Am Straßenrand spielen Kinder bis zu dem Zeitpunkt in dem sie mich sichten. Plötzliches Stoppen. Finger werden ausgestreckt und aus! vollen Hälsen wird geschrieen: "Toubab, toubab, toubab..." . Nachdem ich hinter der nächsten Straßenecke verschwunden bin, kann ich sie immer noch hören. Es kostet mich nicht viel Zeit zu begreifen, dass "Toubab" meine weiße Haut bezeichnet. Ob gewollt oder nicht, das Gefühl drängt sich auf ein "Stranger" zu sein. Die Reise in mein neues "Heimat-Dorf" ist turbulent und kostet Kraft. Mehrmals stoße ich mit meinem Kopf an unserem Geländewagen an. Die Straße birgt viele Überraschungen in sich. Vor allem aber ist sie durchsäht von tiefen Schlaglöchern, die der Regen zum Ärger aller Reisenden gegraben hat. Es ist noch dunkel, wenn ich unter meinem Mosquito-Netz hervor krieche. In Richtung Kapelle schlendernd reibe ich mir noch den Schlaf aus den Augen. Abwechselnd lesen wir Psalmen, im täglichen Morgengebet. Es bleibt Zeit um mit Freuden zu beobachten, es wird Tag. Die Frauen vom Dorf balancieren ! eimerweise Wasser auf ihren Köpfen nach Hause in ihren "Compound". Wasserholen, dass ist eine der vielen Arbeiten, die dem weiblichen Geschlecht überlassen ist. Neben alledem was ein Mann darf und eine Frau muss, ist von Gleichberechtigung nichts zu sehen. Trotzdem halte ich weiter Ausschau. Ab und an nehme ich mit Freuden das Temperament war, dass in den Adern afrikanischer Frauen fließt. Nach der Messe sitzen die Schwestern, Emilie und ich zusammen. Wir genießen "Real Coffee" aus Deutschland und verspeisen reichlich "Tapalapa" (Weißbrot) mit selbstgemachter Kürbismarmelade. Nun geht jeder seiner Aufgabe nach. Das Geschirr wird "Mabintou" für uns waschen. Mein Weg ist rasch gegangen. Er führt mich zu einem Gebäude namens "Skill Center". Dort wartet bereits reichlich Arbeit auf mich. Hektisch springe ich von einer Ecke zur Anderen. Mein festes Vorhaben ist alles vorzubereiten, bevor meine Schülerinnen das Klassenzimmer stürmen. Es sollte alles auf den langen Tisch in der Mitte des Raumes: Scheren, Maßbänder, Stecknadeln, Schnittmuster, Faden und Zwirn und alles was fleißige Schneider- Fräuleins so brauchen, um tüchtig zu sein. Und schon tönt das erste " Good morning Miss Angela" durch die weit geöffneten Fenster. " How is the morning?", "Fine, thank you. How are you today?" " Ah, not too bad," erwidert mir ein breites Grinsen. Das heißt weiße Zähne auf schwarzer Haut blitzen mir entgegen. Stück für Stück kommen alle an. Ich mache Hacken auf der Anwesenheitsliste und stelle mit Freuden fest, alle sind da. Die Truppe umringt den großen Tisch. Gespannt auf das was sie heute erwartet, werden Ohren gespitzt und erwartungsvolle Blicke an mich gerichtet. In der Regel erfreu ich mich an großer Aufmerksamkeit und scheitere nicht zu selten an noch zu kleinem Können. Ich fange an zu schwitzen. Frage mich, was mir mehr Wasser auf meine Stirn treibt. Ist es die Hitze oder vielleicht das andauernde Wiederholen dessen, was ich gerade versucht habe zu erklären? Doch aller Anfang ist schwer und Fortschritte lassen sich stetig mehr erkennen. Langsam, aber bestimmt fangen die Mädchen kreativ zu werden. In stillen Momenten ist es mir vergönnt, ihre Freude an neu entdeckten Fähigkeiten, zu beobachten. Nicht selten schmeiße ich Lob in die Runde. Es war der letzte Schultag, eine Woche Ferien steht bevor. Meine "Students" sind aufgekratzt und kaum zu halten. In diesen Tagen wird ein wichtiges muslimisches Fest gefeiert . Das vierwöchige Fasten wird gebrochen , es nennt sich " Koriteh". Neue Kleider genäht aus besten Stoffen, Haare aufwändig geflochten, edelster Schmuck angelegt, Hauptsache eine gute Figur machen zu diesem Anlass. Daher wollen alle die gewebten Taschen noch vor Schulschluss fertig stellen. Anfangs beharre ich auf meinen Entschluss, die Arbeit nach den Ferien zu beenden. Doch nach tausendundeiner Bitte gebe ich nach, mache das Angebot länger zu bleiben als üblich. Bis 1 Uhr haben sie Zeit. Nun geht es heiß her, fast wie in einer Osterhasenfabrik. Stolz halten die Mädchen letztendlich ihre Taschen in die Kamera. Jetzt gehe ich zum fünften Mal den selben Weg, die Strasse hinunter zum "Photo Star". Der Besitzer vertröstet mich mit seinen Lieblingswörtern "Soon" und " For sure". Spätestens hier lerne ich die Dinge im Leben so zu nehmen wie sie mir entgegen kommen. Das Schicksal schlägt hier öfter zu als gewohnt. Die Welt in Afrika ist so bunt, wie sie rau ist. Einige Jungs am Straßenrand rufen mir "African Lady" hinterher. Kein Wunder. Ich trage ein quietsch- grünes Lappa um meine Hüften geschnürt, handbestickt mit bunten Fäden. Ein gewöhnliches T-Shirt bedeckt meine Schultern. Mein Gesicht ist eingerahmt von einem wirr gemusterten afrikanischen Tuch, dass als Turban auf meinem Kopf verknotet ist. Muscheln, die an Heftklammern hängend durchaus hübsch aussehen, schmücken meine Ohren. Glücklich darüber nicht als Touristin erkannt zu werden, stelle ich fest, ich komme an in der fremden Welt Gambias und ja... - I am in my skin - In diesem sinne, sonnige Grüsse Angela Eckdaten: |