Feliz Navidad da da da da daa, feliz navidad da da da da daa, feliz navidad, prospero año y felicidad...


Überall kann man dieses Lied hören, hier in Lima noch mehr als auf dem Land.
Die Weihnachtszeit, jetzt ist sie fast wieder vorbei und sie war so ganz anders als ich sie sonst kenne. “Stille Nacht, heilige Nacht” gibt es hier auch und heißt hier “noche de paz, noche de amor”. Sonst gibt es aber nicht viel, was an unser Weihnachten erinnert. Kein Weihnachtsmarkt mit Glühwein, stattdessen hat es Mittags in Piura 40 Grad, von kalter oder sogar weißer Weihnacht kann also bei weitem nicht die Rede sein. Die zum Teil übertriebene Weihnachtsdekoration bei uns in Deutschland gibt es auf dem Land nicht, weil die Menschen nicht das Geld und die Energie für bunte Lämpchen haben.
Gefeiert haben wir aber trotzdem – und wie!
Da gab es als erstes die Feier mit allen Lehrern von sämtlichen Schulen von unserem Bezirk. Im Gottesdienst gab es ein Krippenspiel mit einem echten Baby, das zunächst gar nicht wusste, wie ihm geschah, aber brav auf dem Schoss von Maria blieb. Die Lehrer aus meiner schule, die wohl immer etwas Schwierigkeiten machen, kamen nicht zur Feier und haben mit ihren Kindern gefeiert. Dort sollen sie echte Schafe zum Krippenspiel mitgebracht haben.
Unsere Feier ging anschließend im Büro weiter. –
Das Büro, das ist ein großer Raum, wo die Schreibtische stehen. Mit einer Holzstellwand abgetrennt, stehen ein paar Computer. Dort ist ist die Bibliothek, zu der Mittags immer alle Kinder kommen, um Bücher auszuleihen, da ist eine kleine Küche, wo wir immer zu Mittag essen. In demselben Raum werden oft Versammlungen abgehalten und Abends werden eines der Autos und die Motorräder dort untergebracht.
An diesem Tag wurden die Schreibtische zu Festtischen umgewandelt und der ganze Raum mit Luftballons geschmückt. Es gab natürlich wie immer leckeres Essen und es wurde gesungen und und den ganzen Tag getanzt und Musik dazu gespielt. An Weihnachtsfeier hat es mich zwar nicht erinnert, eher an Geburtstagsparty, aber ich habe es genossen und tanze jetzt auch schon eifrig mit.
Dazu soll erwähnt werden, dass es zum Teil sehr lustig zugeht, wenn getanzt wird. Man steht sich zu zweit gegenüber, jeder kann aber die Bewegungen machen, die ihm in den Sinn kommen, natürlich mit dem Grundschritt, der aber nicht schwer ist. Da bewegen sie dann alle ihre Hüften und ihre Schultern und drehen sich – wirklich köstlich. Hilton, unser Ingenieur, grinst dabei immer über beide Ohren und tanzt wie ein richtiger Gentleman. Luis tanzt auch sehr eifrig mit und Marty, eine der Schwestern erzählte, er tanze wie verliebt.
Wir hatten also in dieser Zeit viel zu lachen und neben den Weihnachtsfeiern gab es noch die Abschlussfeiern. Die Kinder feiern nicht nur nach Abschluss der Segundaria groß, sondern auch schon nach Abschluss der Grundschule. Und dann kommen die Zwölfjährigen in weißem Kleidchen ziemlich aufgemotzt daher. Auf ihr Aussehen legen sie großen Wert, was im großen Gegensatz zu der oft herrschenden Armut steht.
Was ich auch noch sehr genossen habe, waren die Mangos, die es an allen Ecken und Strassen gab und die wir zu Hauff geschenkt bekommen haben. Ich konnte jeden Tag drei, vier davon essen. Die Warnung von Clemi, der Novizin, die mit uns zwei Monate gewohnt hat, dass sie dick machen, habe ich dabei großzügig überhört. Egal, - wie mir Luzy letztens lachend erzählte, haben alle Deutschen, die nach Perú kamen, bis jetzt zugenommen, wird mir also wahrscheinlich auch nicht erspart bleiben.

Am 23. Dezember sind wir nach Lima gefahren, um mit allen Schwestern gemeinsam feiern zu können. Nach der Weihnachtsmesse wurde ich von Nina, einer der Schwestern, die mit mir in Piura wohnt, eingeladen, mit ihrer Familie zu feiern und am ersten Weihnachtsfeiertag haben dann die Schwestern gefeiert, mit Wichteln, leckerem Mittagessen, Kartenspielen. - Marty, die eine fanatische Kartenspielerin ist, hat hier in Lima in Marcella eine geeignete Partnerin gefunden. Fast jeden Abend wird mit großer Freude Karten gespielt.

Jetzt sind die meisten weg auf Versammlungen und Retiros und Julie, die Freiwillige aus unserer Gruppe in Lima, und ich konnten die Stadt etwas unsicher machen. In dieser Zeit ist der Plaza de Armas Abends wunderschön mit Lichtern geschmückt. Neben ein paar Museen und Kirchen konnte ich mich auch wieder an das Verkehrschaos gewöhnen, die Bettelkinder auf der Strasse, denen ein Lachen ins Gesicht kommt, wenn ich mich mit ihnen unterhalte, die vollen Busse, die hektisch durch die Strassen fahren, der Markt, durch den ich noch immer gerne spaziere, weil er so interessant ist, der Lärm, der Staub…
Wie schön, dass mich auch noch einige Leute aus der Gemeinde kennen und mich mit einem Glas Wein willkommen heißen.
Die nächste Woche werden Julie und ich ein wenig reisen und Anna aus unserer Gruppe treffen, die Freiwillige in Chile ist. Ich bin sehr gespannt, was wir alles erleben werden.
Jedenfalls werde ich das Land ein wenig besser kennen lernen.
Mit den Kollegen von Fe y alegría waren wir zum Jahresabschluss in den Bergen, in Huanca Bamba. Alle haben sich wahnsinnig über jedes Wasserrinnsal gefreut. – Wie doch das Klima von Ort zu Ort so unterschiedlich sein kann. Da kommen sie aus dem trockenen Gebiet, wo es fast nie regnet, in die Berge und das erste, was auffällt, ist das Wasser. Wir sind zu einem Wasserfall gewandert. Auch sind wir zu einem Bergsee gelaufen, laguna negra, der heilende Wirkung haben soll. Dort haben wir gebetet und das Wasser mit Wein geweiht. Einige haben in diesem Eiswasser gebadet, was ich nicht geschafft habe. Eine Mutter und ihr Kind, in der dort üblichen Bergstracht gekleidet, wollten uns Steine verkaufen, die Glück bringen. Ich fand das alles höchst interessant und würde sehr gerne die Kultur dort näher kennen lernen. Unterwegs konnte man die Leute mit ihren Ochsen die Felder pflügen sehen.
Und so sehe ich jetzt mit Spannung den nächsten Wochen entgegen und Ende Januar geht dann die Arbeit wieder los. Einige meiner Kinder, mit die schwierigsten, werden vom Kindergarten in die Schule wechseln. Was aus ihnen wohl werden wird? Was mich bei ihnen immer am meisten betroffen gemacht hat, war, dass sie sich oft (einige zumindest) schlagen und ständig verschwand etwas, was zur Folge hatte, dass die Kinder gar nichts mit in den Unterricht genommen haben. Da fehlte dann alles, Stifte, Spitzer... Aber was man hier lernen muss, ist viel Geduld und ein wenig, finde ich, hat sich etwas gebessert. Das nächste Jahr werde ich wechseln und eine andere Klasse kennen lernen.
Mi meinem Karate klappt es sehr gut. Eine Jugendgruppe ist sehr begeistert dabei und hat mich nur ungern in die Ferien entlassen. Zum Jahresende haben sie mir eine Tüte Mangos, und eine Papaya geschenkt, dazu haben sie Obstsalat gemacht und mich auch noch zu einem Erfrischungsgetränk, das sie hier auch alle selber machen, eingeladen.
Eine andere Jugendgruppe kam recht unregelmäßig, aber einige mussten in der Mangoernte arbeiten und hatten deshalb wenig Zeit. Ich lasse mich also mal überraschen, wie sich alles entwickeln wird.
Eine Kindergruppe, die allerdings noch sehr am Anfang steht, gibt es auch noch, die ich weiterführen werde.
In diesem Sinne wünsche ich euch allen bis zu den nächsten Nachrichten aus Piura ein frohes neues Jahr und die besten Wünsche!
Kathrin