Hallo zusammen!

 

Meine letzten Wochen in Rumänien brechen an und ich bin schon mitten im Verabschiedungsrummel, wobei ich es noch immer nicht glauben kann, dass es wirklich schon so weit ist. Offizieller Kindergartenschluss war schon letzten Freitag und damit auch mein offiziell letzter Tag dort. Diese Woche war Babysitting und ich schaute doch hin und wieder vorbei. Vom restlichen Personal arbeitet immer die Hälfte. Nächste Woche geht es noch ins Ferienlager mit den größeren Kindern, worauf ich mich schon sehr freue!

 

Kindergarten

 

Kindergärten und Schulen haben offiziell ihre Tore geschlossen und das neue Schuljahr beginnt wieder am 1. September. In den letzten Wochen ist aber doch noch einiges passiert. Angefangen mit unserem Maifest, welches sehr schön war. Zuerst haben wir in der Pfarrkirche einen gemeinsamen Wortgottesdienst gefeiert. Mit den Kindern haben wir dazu Lieder in allen drei Sprachen (rumänisch, ungarisch, deutsch) gesungen. Danach ging es zurück in den Kindergarten, in dem wir  eine Art Spieleolympiade veranstaltet haben. In jedem Raum war eine andere Erzieherin und die Kinder konnten malen, kneten, basteln, angeln... oder Dreibeinlauf, Tanz mit der Zeitung, Schatzsuche... machen. Bei jeder Station bekamen sie ein Abzeichen für ihr Diplom. Nebenan im Pfarrsaal gab es ein Kuchenbüfett. Dazu wurden Tische aufgestellt und jeder hatte etwas anderes mitgebracht. Eltern passten auf und gaben das Essen aus. Da musste ich an die Kindergartenfeste in Deutschland denken und an die ganzen Gesundheitsbestimmungen. So viele gibt es hier nicht, dafür sind manche Sachen für  mich nicht ganz logisch. So müssen z.B. Kuchen, Torten... gekauft sein, damit man bei einer Lebensmittelvergiftung dies nachweisen kann, auf der anderen Seite stehen auch die Sachen mit Sahne die ganze Zeit ungekühlt da. Den Kindern und den Eltern hat das Fest sehr gut gefallen und wir bekamen von allen Seiten Lob und Dank.  Anders als in Deutschland, wo immer jemand dabei ist, der meint man hätte dieses oder jenes noch besser machen können. Hier zählt weniger das Ergebnis, sondern allein schon die Tatsache, dass dieses Fest für die Kinder veranstaltet wurde.

Die Woche darauf hatten wir dann auch schon Serbare, das Abschiedsfest der Gruppe. Dazu führten die Kinder kleine Stücke auf, sangen Lieder und unsere zwei Mädchen, welche in die Schule kommen verabschiedeten sich mit einem Gedicht. In Deutsch sangen wir, neben einem Fingerspiel, auch das Lied „Der Kuckuck und der Esel“ und begleiteten es mit Instrumenten. In der Zwischenzeit haben wir es schon sehr oft gesungen, weil die Kinder sich daran nicht sattsingen können.  Unsere Kinder machten es sehr schön und wir waren sehr  stolz auf sie. Auch hier spürte ich diesen Erwartungshaltung und diesen Druck einer Perfekten Darbietung mit allem Drum und Dran nicht so, wie in Deutschland. (Wobei ich mich da oft alleine unter Druck setze und es alleine schon für mich perfekt haben will. Im Nachhinein währ mir hier auch noch einiges eingefallen, was man noch machen hätte können  ) Jedes Kind machte es so gut es konnte und die Eltern waren damit zufrieden. Das Problem mit den Kostümen wurde einfach an die Eltern weiter gegeben. Die Eltern haben erfahren was ihr Kind spielt und wie es angezogen sein sollte. Nach der Serbare trafen sich alle im Eingangsbereich des Kindergarten und es gab Saft und Kuchenschnitten. Als schon viele Eltern gegangen waren und die restlichen am Aufbruch, fing ich an die Stühle.... aufzuräumen. Als Fulvia dies sah, meinte sie „Fleißig, fleißig, Regina du bist immer fleißig, kannst du auch mal nicht arbeiten und einfach nur dastehen?“ Rita, unsere Putzfrau meinte dazu: „ Fulvia, so sind die Deutschen eben!“ Ich muss sagen, ich bin mir meinen „deutschen Eigenschaften“ noch nie so bewusst geworden, wie hier in Rumänien. Vor kurzem hieß es in der Zeitung bei einem Artikel zur WM „Die Deutschen, für ihr  Organisationstalent bekannt,.....“, und beim Chor waren seltsamerweise die deutschen und deutschstämmigen immer bei den ersten dabei. (5 Minuten vor der Zeit ist die deutsche Pünktlichkeit – ein Sprichwort, dass ich hier kennen gelernt habe)

Freitag war der letzte Tag für Anita im Kindergarten, da sie, wie ich schon berichtete, für drei Monate in Deutschland ist. Sie wurde von uns mit  einem Lied und einer Karte verabschiedet. Die Woche darauf war doch eine Umstellung für mich. Einerseits weil ich Frühschicht hatte und schon um 7 Uhr  beginnen musste J. Andererseits natürlich, weil wir nur noch zu zweit in der Gruppe waren und ich viele Aufgaben von Anita mit übernommen habe. Mit  meiner Teamarbeit hab ich am ersten Tag schon einen Dämpfer von Fulvia bekommen. Ich wollte mit ihr besprechen, was ich mit den Kinder diese Woche im Morgenkreis machen werde (Wer Spätschicht hat, kommt nach dem Morgenkreis), sie meinte dazu aber nur: „Regina, du machst was du willst im Morgenkreis und ich mach nächste Woche was ich will im Morgenkreis, das müssen wir nicht extra besprechen!“

Nachdem es die ersten Tage einige Probleme gab, rauften wir uns ganz gut zusammen. Fulvia sagte mir, was sie machen will und ich machte ihr immer die Vorschläge wie und wann wir er machen können. Das klappte recht gut. Mir war dabei auch wichtig, dass sich unnötige Wartezeiten für die Kinder vermeiden ließen. In den letzten Wochen bin ich jetzt auch endlich dazu gekommen, mit den Kindern den Turnraum noch zu verschönern. An den Wänden ist jetzt eine Landschaft aus Häusern, Bäumen, Kindern, Blumen......

Und kaum schaute ich, war auch schon der Freitag, der 16.6. da und damit der letzte Kindergartentag.  Für die Kinder habe ich zum Abschied ein Liederheftchen zusammengestellt, in dem sich viele Lieder befinden, welche wir in Deutsch gesungen haben. Dieses habe ich ihnen im Stuhlkreis geschenkt und sie haben sich sehr  darüber gefreut. Danach wurde ich mit einem Lied und eine Karte mit vielen Küssen verabschiedet. Am Abend fand  die Verabschiedung im Team statt. Meine Kolleginnen marschierten im Gänsemarsch ins Zimmer und sangen dazu ein deutsches Lied danach überreichten sie mir ein großes Plakat, dass die Kinder und Kolleginnen gemeinsam gestaltet hatten. Eine bunte Blumenwiese. Bei Christinas Abschiedsworten kamen uns allen die Tränen und keine konnte es fassen, das dieses Jahr schon vorbei ist. Nach den Rührseligkeiten saßen wir noch gemütlich zusammen.

Wenn ich den Kindergarten rein äußerlich vergleiche, September und jetzt, da hat sich doch einiges getan und ich bin ein bisschen stolz darauf, meine Spuren hinterlassen zu haben. Noch wichtiger sind mir aber die unsichtbaren Spuren, von denen ich hoffentlich auch einige hinterlassen habe.

 

Kinderheim

 

Mit meiner neuen Schichtarbeit im Kindergarten habe ich meine Arbeit im Kinderheim einschränken müssen, weil es zeitlich nicht mehr möglich war. Ich hab aber trotzdem immer mal wieder, so weit es möglich war,  vorbei geschaut. Seit kurzem ist in der Gruppe auch ein neuer Junge, der einmal mit aller Macht versucht hat, meine Aufmerksamkeit zu erregen. Er hat z.B. Kinder geschlagen, damit ich eingreifen musste. Ich hab ihn zu mir geholt und gefragt, warum er das gemacht hat und  ob er will, das andere Kinder dies mit ihm machen. Da er mir keine Antwort geben konnte, hab ich gesagt, er soll hier sitzen bleiben und ein bisschen darüber nachdenken, ich komm dann wieder zu ihm. Natürlich ist er nicht sitzen geblieben, sondern gleich wieder davon gerannt, aber ich hab ihn zurück geholt und es ihm noch einmal erklärt. So ging es dann einige Male, bis er auf einmal wirklich sitzen blieb. Nach kurzer Zeit bin ich zu ihm, hab mit ihm noch einmal über sie Sache gesprochen, ihn aber auch gelobt, weil er auf mich gehört hat. Nach diesem Ereignis habe ich gemerkt, dass der Junge noch mehr meine Nähe gesucht hat und viel besser auf mich gehört hat. Das sind einfach die zweit Sachen, die den Kindern dort am meisten fehlen: Zuwendung und Grenzen, Richtlinien.  Es ist nicht so, dass das Personal dies aus Böswilligkeit oder Nachlässigkeit macht, sondern einfach aus Unwissen. Für sie ist dies normale und gute Arbeit. Sie erinnern sich, wie es früher war und sehen, was sich gebessert hat und das ist für sie schon sehr gut, dass es aber immer noch nicht genug ist, das sehen sie nicht.
Molly, die Freiwillige aus Amerika, ist übrigens auch wieder hier. Sie arbeitet in einem Hospital, wo Babys und Kleinkinder sind. Einige sind mit ihren Eltern dort, andere warten auf Adoptiveltern, Pflegefamilien oder Kinderheim. Vor kurzem war genau über dieses Hospital ein Bericht in einer amerikanischen Zeitung. In diesem wurden vor allem auf die Missstände hingewiesen. (1 Kraft für 15 Babys, die Kinder werden nur zum wickeln und füttern aus den Bettchen gehoben...). Molly hat den Bericht gelesen und gesagt, dass er den Tatsachen entspräche. In Rumänien hingegen wurde der Bericht als falsch und übertrieben hingestellt.
Steffi, eine Freiwillige aus Österreich hat auch in diesem Hospital gearbeitet, hat aber ihr Jahr abgebrochen. Es gab mehrere Gründe dafür, einer war die Arbeit im Hospital. Es wurde ihr z. B. gesagt, dass sie die Kinder nicht so oft hochheben und halten soll, weil sie sich sonst zu sehr daran gewöhnen. Dies hat  mir mal wieder gezeigt, dass „Helfen“ oft gar nicht so einfach ist.

 

Ausflüge

 

Eva und ich haben das Frühlings- / Sommerwetter ausgenutzt und in den letzten Wochen einige Ausflüge gemacht.

 

Der erste war ein Tagesausflug nach Maria Radna. Dies ist ein großer Wallfahrtsort hier im Banat. In der Früh ging es mit dem Zug nach Maria Radna. Nachdem wir uns die Kirche und den dazugehörigen Kreuzweg angeschaut haben, ging  es  mit Proviant los. Um den Ort herum sind  viele Hügel und die Gegend ist wunderschön. Wir wanderten von Hügel zu Hügel und genossen die Natur. Leider kamen uns immer mal wieder Hirtenhunde ohne sichtbare Herde in den Weg, d.h. man weiß nicht, ob sie zahme oder wilde Hunde sind und so mussten wir einige Umwege in Kauf nehmen. Am Nachmittag kamen wir dann bei der Burgruine von Lipova an. Dort begegnete man vielen Familien und Gruppen, die Picknick machten. Langsam ging es dann wieder zurück zum Bahnhof.

 

Kurze Zeit darauf planten wir ein Wochenende in Oradea zu verbringen. Samstag um 5 Uhr in der Früh ging es mit dem Maxitaxt, dies sind kleine Busse, die zwischen den größeren Ortschaften verkehren und billiger als der Zug sind, nach Oradea. Angekommen machten wir uns auf den Weg in die Innenstadt, um diese zu erkunden. Die Stadt ist im Habsburgerstil gebaut und es leben noch viele Ungarn dort. Deshalb hörte man auf den Straßen sehr oft ungarisch oder in der Buchhandlung gab es viele ungarische Bücher. Weiter ging es zu einem orthodoxen Kloster. Wieder in der Stadt, ließen wir uns auf einer Bank am Fluss nieder. Kaum saßen wir, kam schon ein Zigeunerkind an, um nach Geld zu betteln. Für mich ist dies immer eine sehr schwere Situation. Ich möchte ihnen am liebsten etwas geben, weiß aber genau, dass dies das Problem nicht löst, sondern eher verschlimmert. Denn wenn sie merken, dass sie mit Betteln ihren Lebensunterhalt verdienen können, dann haben sie nicht den Ehrgeiz, an ihrer Situation etwas zu ändern. Wenn ich zufällig etwas zum Essen bei mir  haben, dann schenke ich ihnen dies oft, aber Geld gebe ich nicht her. In diesem Fall haben wir zuvor gesehen, wie die Mutter das Kind zu uns geschickt hat. Als wir nicht auf ihre Bitte reagierten, ging sie zurück und wurden dann mit dem kleinen Geschwisterchen noch einmal zu uns geschickt.
Am Nachmittag überlegten wir, was wir noch machen könnten, bis zum nächsten Tag noch in Oradea bleiben, gab keinen Sinn, weil die Stadt jetzt nicht so groß war, aber nach Timisoara zurück wollten wir auch noch nicht. Also ging es an den Bahnhof, und wir schauten, wo wir  noch hinfahren könnten. Irgendwann kam uns die Idee, in die Westkaparten, die ganz in der Nähe beginnen, zu fahren. In unserem Führer lasen wir etwas von einer großen Eishöhle, da wollen wir hin! Leider gab es dorthin keine Zugverbindung. Also wieder raus vom Bahnhof und am Busbahnhof nachfragen. Dort erklärten sie uns, dass die Maxitaxi für diese Richtung an anderen Ende der Stadt abfahren. Mit der Straßenbahn quer durch die Stadt und dann die Haltestelle suchen, die sind nämlich nicht immer ausgeschildert, manchmal muss man einfach an einer Ecke warten. Ein sehr freundlicher Herr half uns weiter. Wir  sind dann doch nicht mit dem Bus gefahren, sondern mit einem Privatauto. An den Haltestellen warten oft Personen, die von der Arbeit nach Hause fahren und fragen, ob sie dich (gegen Bezahlung) mitnehmen können, dadurch wird für sie der Weg zur Arbeit billiger. Als wir diesem netten Herren dann erzählten, wo wir hinwollen, schmiedete er für uns Pläne, wie wir unser Ziel erreichen können. Er gab uns den Rat, heute noch weiter zu fahren, bis zur dem Dorf, das am nähersten an der Eishöhle liegt. Deshalb fuhr er uns extra an die Bushaltestelle und erkundigte sich, wann der nächste Bus kommt. Zusätzlich schrieb er uns noch genau die Ortschaften auf. An der Bushaltestelle wartete schon eine junge Frau, der er alles gleich erzählte und die sich anbot, uns die richtige Haltestelle zum Aussteigen zu zeigen. Auch bot sie uns an bei eine Unterkunft, die sie kannte nachzufragen, ob sie noch Platz haben. Mit dem Bus ging es dann 2 Stunden weiter ins Gebirge. Wir fuhren einige Serpentinen hinauf und  kamen in eine wunderschöne Gegend. An der richtigen Haltestelle stiegen wir aus und wurden schon von unserem Pensionswirt erwartet. Die Pensionen dort sind meistens Familien, die in ihrem Haus ein paar Zimmer vermieten. Bis dahin lief alles ganz gut, dann kam das groß Aber. Wir fragten natürlich sofort nach, wie wir am nächsten Tag zur Eishöhle kommen und er meinte, dass wir, wenn uns kein Auto mitnimmt, 10 Kilometer laufen müssen und dann noch mal ein guten Stück den Berg hinauf. Als wir ihm mitteilten, das wir am gleichen Tag wieder zurück nach Timiºoara müssen, meinte er, dies ist unmöglich, denn die Maxitaxis fahren nur in der Früh bis spätestens 11 Uhr zurück, danach geht kein Maxitaxi mehr vom Ort weg. Da standen wir nun. Also machten wir das beste daraus und genossen am Abend die wunderbare Landschaft. Am Morgen um 8 Uhr ging unser Bus, der uns zu einem Busbahnhof mit Anschluss nach Timiºoara brachte. Im Bus befanden sich einige Marktfrauen, die ihre Ware zum nächsten Markt transportierten. Am Nachmittag kamen wir von einem aufregenden Ausflug zurück und auch wenn wir die Eishöhle nicht gesehen haben, hat es sich doch gelohnt, denn wir  lernten die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Rumänen kennen.  

 

Vor kurzem musste ich das letzte Mal über  die Grenze, wegen dem Visum. Da ich jetzt schon drei mal in Becesscaba war, wollte ich etwas anderes sehen. Ursprünglich Budapest in Ungarn, wurde es dann Belgrad in Serbien. Samstag in der Früh, dies mal 6 Uhr, stiegen wir in den Zug. Dieser war voll gestopft mit Schachteln, aus denen vor allem Schuhe heraus schauten. Diese wurden dann in Serbien an einer Haltestation einfach aus den geöffnete Türen geschmissen und draußen haben die Abnehmer / Händler schon darauf gewartet. Von meinem Papa infiziert, viel mir in Serbien als erstes auf, dass die Felder kleiner sind, nicht diese riesigen Flächen wie im Banat und es sind mehr Flächen bestellt aus in Rumänien. In Belgrad machten wir uns erst einmal auf die Suche nach einer Unterkunft und fanden diese im Star Hostel, einer Art Jugendherberge, die in einer normalen Wohnung untergebracht war. Danach ging es daran die Stadt zu erkunden. Dies stellte sich manchmal als gar kein so leichtes Unterfangen heraus, da unser Stadtplan in lateinischen Buchstaben geschrieben war, in Serbien aber das cryillische Alphabet benutzt wird. Man steht vor einem Straßenschild, will wissen, wo man ist und kann kein Wort lesen, eine neue Erfahrung! Aber kaum hatten wir unseren Stadtplan ausgepackt, kam meistens gleich jemand her und fragte uns, ob er uns helfen kann, sehr nette Leute!! Die Innenstadt besteht aus sehr schönen alten Häusern. Gegen Abend gingen wir für unser Abendessen und Frühstück einkaufen. In einem Supermarkt verlangte ich an der Wursttheke auf englisch eine Salami. Leider konnte die Frau überhaupt kein Englisch und so mussten wir uns mit Händen und Füßen verständigen, aber das klappte auch J. Am nächsten Tag gingen wir in Richtung eines Basars und kamen auf einmal an einem zerbombten Gebäude vorbei. Als Eva ihren Fotoapparat heraus holte, kamen gleich zwei Soldaten herbei und gaben uns zu verstehen, dass dies nicht erlaubt sei. Kurze Zeit später wussten wir auch warum, es waren Militärgebäude. Die ganze Straße entlang sahen wir immer wieder zerbombte Häuser. Für mich eine ganz neue und unheimliche Erfahrung. Nach dem Basar ging es noch ans Ufer der Donau, und ich fragte mich, wie lange wohl das Wasser von Regensburg bis hierher gebraucht hat. Am Spätnachmittag ging es dann wieder gemütlich zurück. Belgrad ist übrigens die näheste Hauptstadt zu Timiºoara. 

 

Wallfahrt

 

An Pfingsten fuhr ich auf eine Wallfahrt. Dazu gekommen bin ich durch Kriztina, die Direktorin unseres Kindergartens. Sie fuhr selber und fragte mich, ob ich nicht Lust habe mit zu kommen. Da im Bus dann leider kein Platz mehr frei war, fuhr ich mit Sr. Pacifika (auch vom Kindergarten) mit dem Zug. Dieser ging am Freitag in der Früh um 6 Uhr (ich entwickle mich hier noch zur vollen Frühaufsteherin) und wir kamen in Miercurea Ciuc um 16.40 Uhr an. Insgesamt waren es ca. 560 km. Die rumänischen Züge sind langsam, aber dafür hat man noch das ursprüngliche Eisenbahnfeeling. Die Fenster lassen sich öffnen, man wird ein bisschen durchgeschüttelt, die Räder rattern unter einem und immer wieder hört man die Lock hupen, richtig schön! Nur die Toiletten mit direktem Weg auf die Gleise waren nicht so toll. In Mercurea Ciuc konnten wir bei der Mutter von Sr. Pacifika übernacht. Zu erwähnen ist noch, dass diese Stadt über 90% ungarische Einwohner hat und es eine ungarische Wallfahrt war. Am Samstag, nach dem Frühstück ging es dann los. Die Wallfahrtskirche lag ca. 30 Minuten Fußweg außerhalb der Stadt und es führte eine gerade Straße dorthin. Dort trafen sich alle Fußgruppen, Reisegruppen.... und marschierten los. Kaum sah ich die Gruppen mit ihren Fahnen und Gesängen, kam gleich dieses besondere Wallfahrergefühl in mir auf. Neu war für mich, dass einige Gruppen Glocken dabei hatten, diese wurden in einem bestimmten Rhythmus geläutet. Der Weg wurde natürlich auch hier von Verkaufsständen gesäumt. An der Wallfahrtskirche warfen wir einen kurzen Blick hinein, konnten wegen dem großen Andrang nicht viel sehen. Es befindet sich dort die wahrscheinlich größte Gnadenmadonna, der auch einige Wunder nachgesagt werden. Die Prozession selber ging weiter, auf den benachbarten Hügel, auf dem der Gottesdienst stattfand. Dort traf ich mich mit Eva, die zufällig mit ihrer Arbeitsstelle dort war. Der Hügel glich einem überdimensionalen Ameisenhaufen, als die Menschen von allen Seiten hinaufströmten.  Es sollen über 300000 Menschen gewesen sein. Für die Ungarn ist dies nicht nur eine Wallfahrt, sondern vielmehr ein Zusammentreffen aus allen Teilen der Erde. Die weitesten angereisten Ungarn waren aus Japan. Aus Rumänien, Ungarn, Serbien, Ukraine, Moldau... kamen die Ungarn zusammen. Hatte es die ganze Nacht und am Morgen noch geregnet, war es ab der Prozession trocken und zum Gottesdienst kam sogar manchmal die Sonne heraus. Eva und ich fragten uns, wie Ungarn (das Land) verbunden die anwesenden Ungarn (der Volksstamm) wohl sind. Die Antwort bekamen wir, als nach dem Gottesdienst die ungarische Nationalhymne gespielt wurde und alle mitsangen. Der Rückweg in die Stadt dauerte dann 2,5 Stunden. Viele fuhren am gleichen Tag schon wieder heim. Da unser Zug erst am Sonntag ging, konnte ich am Sonntagmorgen noch mit auf die Sonne warten. Dazu stand ich um 4 Uhr auf und begab mich auf den Hügel. Diesmal wählte ich den Aufstieg über den Kreuzweg. Dies ist die steilste Stelle am Hügel (furchtbar steil!!) und man geht von einer Kreuzwegstation aus Stein zur nächsten. Oben hat sich schon eine Menschenmenge versammelt. Sie standen oder saßen in Gruppen beisammen, beteten oder sangen und es war eine wunderschöne Atmosphäre. Es wird auf die Sonne gewartet, weil mit ihr der hl. Geist auf die Erde herabkommt. Manche wollen ihn schon in der Sonne gesehen haben. Ein Wolkenband, das sich genau an die Stelle schob, wo die Sonne aufgeht, hätte das Ereignis fasst zunichte gemacht, aber irgendwann hatte die Sonne auch dieses bezwungen und schickte ihre ersten Strahlen zu uns herab. Dieser Augenblick hatte für mich etwas sehr beruhigendes und beständiges. Danach hatte ich noch die Möglichkeit mir die Wallfahrtskirche anzusehen und dort den Gottesdienst zu besuchen. Nach dem Gottesdienst wurden einige Wallfahrergruppen unter Glockengeläute wieder verabschiedet. Auch für mich war es Zeit, denn schon bald ging unser Zug zurück. Bei der Heimfahrt saßen drei junge Ungarn aus Serbien in unserem Abteil und Sr. Pacifika erzählte mir, dass sie sich unter anderem über das Thema Vaterland unterhielten. Sie sind Ungarn, doch Ungarn ist nicht ihr Vaterland, da sie ja in Serbien geboren sind und ihre Familien in diesem Gebiet (das früher zu Ungarn gehörte) schon seit Generationen lebt. Also ist Serbien ihr Vaterland, aber sie sind keine Serben, sondern Ungarn. Ein Schicksal, dass viele Menschen auch in Rumänien haben.

 

Sonstiges

 

Letztes Wochenende hatten wir unser Gospelkonzert. Dominik, ein ehemaliger Freiwilliger aus Deutschland, ist für ein Praktikum wieder in der Stadt und hat in seiner Freizeit das Gospelprojekt gestartet. Wir waren ein Chor von ca. 25 Leuten mit Alt, Sopran, Bass und Tenor und haben innerhalb von 5 Wochen ein Konzert auf die Beine gestellt. Nachdem wir zuvor immer einmal in der Woche geprobt hatten, hatten wir letztes Wochenende jeden Tag 6 Stunden geprobt und am Sonntag Abend war das Konzert. Die Kirche war voll und den Leuten hat es sehr  gut gefallen!

 

Nebenbei war ich Samstag in der Früh noch in der Oper, bei einer Aufführung der Ballettschule, dazu hat mich ein Kindergartenkind eingeladen.

Am Abend war dann die Aufführung der Tanzgruppe, wo Eva und ich auch ein bisschen mitgetanzt haben (bei weitem nicht so gut, wie die es können!). Dies musste man sich natürlich auch ansehen. Dort war ich am Mittwoch auch das letzte Mal bei der Stunde und hab mich von ihnen verabschiedet. Sie haben noch einmal nachgefragt, was ich hier in Rumänien gemacht habe und wie meine weitere Zukunft aussieht. Als sich Irina, unsere Leiterin, von mir verabschiedet hat, sagte sie „Danke, dass du als Freiwillige in Rumänien warst.“ Dies fand ich sehr nett!

 

Da wir schon bei Abschieden sind, diesen Sonntag findet auch der offizielle Abschied hier im Kloster statt. Einige Schwestern haben Jubiläum und so haben wir diese beiden Sachen miteinander verbunden. Dieser ist schon so früh, weil ich danach nicht mehr oft hier sein werde. Am Montag geht es mit 20 Kindergartenkindern eine Woche ins Ferienlagen. Montag darauf fahre ich gleich mit Eva und ein paar Freiwilligen aus Ungarn ans Schwarze Meer. Unter anderem wollen wir ins Donaudelta. Des weiteren will ich mir noch Bukarest und die Moldauklöster anschauen. Wieder zurück in Timiºoara, kommen bald meine Tante und meine Schwester um mich abzuholen. Und wenn alles so klappt, werde ich am 31. Juli abends wieder in Moicha (Aicha) sein! Irgendwie kann ich es noch gar nicht glauben, dass mein Jahr hier in Rumänien schon vorbei ist, wo ist nur die Zeit geblieben?

Ich muss ja zugeben, an einiges von diesem Stadtleben hab ich mich schon gewöhnt, aber ich versteh immer noch nicht, wie man für immer in einer Großstadt leben kann!

 

Die letzte Woche hat mir mal wieder gezeigt, dass ich noch immer viel zu viel plane – es kommt dann doch anders.
So wollte ich im Kindergarten noch das Zimmer aufräumen und putzen, so wie es sich vor den Sommerferien gehört. Es wurde nichts daraus, weil das Spielhaus, welches schon vor einem dreiviertel Jahr bestellt wurde endlich gekommen ist und die Schreiner es im Zimmer bauen (auch Löcher für die Schrauben vor Ort bohren...). Dann hat mir Sr. Pacifika gestern (Do) gesagt, dass ich für das Ferienlager noch eine Bestätigung vom Arzt brauche. So geht es schon die ganze Woche und es ist viel besser, man plant nicht schon im Voraus.

 

Rumänien soll ab 2007 Mitglied bei der EU werden. Dies ist für die Rumänen eine große Sache und man hört überall davon. Einer der Punkte, die noch sehr verbesserungswürdig sind, ist die Korruption. Ich war jetzt fast ein Jahr hier, hab zwar selber zu diesem Thema nichts erlebt, aber dafür  um so mehr gehört. Im Krankenhaus ist es selbstverständlich, dass du die Schwestern extra bezahlen musst. Polizei soll auch sehr korrupt sein. An den Grenzübergängen müssen Hilfstransporter oft was abtreten, dann geht es halt einfach schneller.  An Schulen und Universitäten können sich Noten erkauft werden...
Ich finde dadurch macht sich ein Staat selber kaputt und es geht zum Leidwesen der ehrlichen Leute. Hab ich ein Zeugnis mit guten Noten vor mir und kenn die Person nicht, stellt sich bei mir sofort die Frage, war das ehrlich, oder erkauft? Hat die Person sich ihre Noten durch Fleiß hart erkämpft, wird ihre Leistung durch Leute, die sich die Noten erkaufen, gemindert und dass finde ich alles andere als fair. Sehe ich hier die Polizei, frag ich mich oft „Lässt ihr euch auch kaufen?“ und dies führt dazu, dass ich hier keinen Respekt vor der Polizei habe.

 

Jetzt genug erzählt, lasst es euch gut gehen

 

Euere Regina

 

P.S. Wahrscheinlich war dies die letzte große Rundmail, wir  sehen uns zuhause!