Menschen im Welterbe
Würdigung Mutter Theresias
beim 3. Regensburger Weltkulturerbetag
am 6. Juni 2010

„In diesem Jahr stehen die Menschen im Welterbe im Mittelpunkt, denn Regensburg hat nicht nur einzigartige Bauwerke hervorgebracht, sondern auch viele große Persönlichkeiten in seinen Bann gezogen.“ So schrieb die Planungs- und Baureferentin Christine Schimpfermann einleitend im Programmheft und lud ein: „Seien Sie gespannt, welche Spuren
Mark Aurel,
Rabbi Jehuda he-Chasid, die Baumeisterfamilie Roritzer,
Johannes Kepler,
Karl Theodor von Dalberg und
Karolina Gerhardinger
in Regensburg hinterlassen haben.“


Viele Regensburger und auch Gäste haben sich vom vielfältigen Programm anziehen lassen und das erste sonnige Wochenende nach der langen Regenzeit sichtlich genossen. Auch die Angebote zu Karolina Gerhardinger wurden gut besucht.
„Bühne frei“ – UNICEF holt die KinderKulturKarawane nach Regensburg
Dem Milleniumsziel der Vereinten Nationen, bis 2015 Bildung für jedes Kind durchzusetzen, hat die UNICEF-Arbeitsgruppe Regensburg ihren Beitrag zum Welterbetag gewidmet. Sie lud die Gruppe „Phare Ponleu Selpak“ in die Gerhardinger Schule ein. Die 14- bis 18-jährigen Artisten der Truppe gehen in Kambodscha auf eine Zirkusschule, in der ihnen Betreuung und Bildung zu Gute kommen. Mit ihren beeindruckenden akrobatischen Vorführungen zogen die jungen Künstler in ihren kambodschanischen Trachten zu Klängen der landestypischen Khmer-Musik das Publikum schnell in ihren Bann. Ein artistischer Workshop im Anschluss an die Aufführung begeisterte die Kinder und ermöglichte interkulturelle Begegnung. „Karolina Gerhardinger hätte sich darüber herzlich gefreut“, war dazu ein Bericht in der MZ überschrieben.
 
     
  Besichtigung des Klosters und des Geburtshauses von Karolina Gerhardinger
Die seltene Gelegenheit, ein Kloster von innen zu sehen, nutzten „Einheimische“ und auch „Auswärtige“. Die Schwestern von Stadtamhof hatten mit einem solchen Andrang nicht gerechnet. Aufmerksames Zuhören und zusätzliche Fragen an Schwester Alessandra Wilhelm, Schwester Barbara Silberhorn und Schwester Gabriele Sagmeister, die jeweils in Gruppen durch das Haus und den Garten führten, waren Ausdruck von großem Interesse. Der Brunnen, der noch aus der Zeit Karolinas stammt, wirkte wie ein Magnet.
 
 
 
     
 

Präsentation zum Leben der Karolina Gerhardinger
In der Gerhardinger Schule, dem Schulhaus, in dem Karolina von den Notre-Dame-Chorfrauen ihre Schulbildung erhielt und selber zur Lehrerin ausgebildet wurde, begrüßte Rektor Wolfgang Friedl zur PowerPointPräsentation „Wer war diese Frau?“. Die zahlreichen Besucher erfuhren vom bewegten Leben der Ordensgründerin in einer gesellschaftlich unruhigen Zeit.

  • Verantwortungsvoller Umgang mit der Schöpfung
  • Geschlechtergerechte Erziehung
  • Dialog der Religionen und Kulturen
  • Sorge um Benachteiligte

Diese vier Schwerpunkte aus dem Leitbild für die pädagogischen Einrichtungen der Armen Schulschwestern, die auf Maria Theresia von Jesu Gerhardinger zurückgehen, ließen den Weitblick der großen Pädagogin erkennen, deren Büste in Anerkennung ihrer Verdienste für das bayerische Schulwesen 1998 in der Walhalla aufgestellt wurde.

 
 
     
  Anschließend gab Frau Meindl-Müller, Leiterin der Regensburger UNICEF-Gruppe, einen Einblick in das Wirken von UNICEF.
Wie damals Mutter Theresia setzt sich heute UNICEF ein, Kindern in armen Ländern Bildung zu ermöglichen und damit einen Ausweg aus der Armut zu schaffen. Durch bewusste Vorüberlegungen und Strukturen wird auch für Nachhaltigkeit der Bemühungen gesorgt.

     
  Bilderausstellung der Schüler der Gerhardinger Schule
Ein Bilderzyklus veranschaulichte markante Stationen im Leben Karolinas, z. B. die Schiffsreise nach Amerika, und hob besondere Leistungen heraus wie die Errichtung der ersten Schule mit elektrischem Licht in München.
 
Führung „Regensburger Frauengeschichten“

„Es ist ein altes, aber trotzdem grundfalsches Klischee: Geschichte wird von Männern geschrieben – dabei wäre ohne Frauen auch schon in der Vergangenheit so manches nicht möglich gewesen!“ So hieß es im Programmheft zur oben genannten Führung und weiter: „Immer wieder haben Adelige, Nonnen, Patrizierinnen und Bürgerinnen die Geschicke der Stadt, ja manchmal sogar die Weltgeschichte beeinflusst. Und natürlich darf auch Karolina Gerhardinger, die Gründerin der Armen Schulschwestern, nicht fehlen.“
  An den entsprechenden Plätzen und Häusern stellte die Stadtführerin Frau Zehentbauer unterhaltsam, informativ und ein wenig hintergründig berühmte „Regensburgerinnen“ vor. Karolina Gerhardinger war u. a. eingereiht in die Gesellschaft der Kepler Mutter, von Margarete Runtinger, der Äbtissin Tutta, Barbara Blomberg und Apollonia Diepenbrock. Mehrere Stationen boten Anknüpfungspunkte zu Karolina: Hinweis auf die Galluskapelle, in der sie ihre Gelübde ablegte und den Schwesternnamen Maria Theresia von Jesu annahm, das Standbild König Ludwigs I. am Domplatz, der ein großer Förderer der Ordensschulen war und die Ordensgründung unterstützte, Kloster mit Schule Niedermünster, das 1854 von ihr gegründet wurde. Die Führung endete in Stadtamhof, dem Geburtsort von Karolina, Maria Theresia von Jesu Gerhardinger - eine der außergewöhnlichen Persönlichkeiten im UNESCO-Welterbe „Altstadt Regensburg mit Stadtamhof“.